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Filmtipp
Woher komme ich? Wer bin ich?

Bilder: Verleih Concorde

"The Tree of Life", ein Film von Terrence Malick

Ein Film, der die Gemüter spaltet: Begeisterung und Buhrufe für seinen meisterlich gelungenen fünften Film "The Tree Of Life" bei der Verleihung der Goldenen Palme in Cannes. Malicks etwas über zwei Stunden langer Film beschäftigt sich mit nichts Geringerem als einigen der ältesten Fragen der Menschheit: Wo komme ich her? Wie wurde ich zu dem, was ich bin? Und wohin gehe ich, wenn ich sterbe? Wir erleben urgewaltige Filmsequenzen von der Entstehung des Universums, der Erde und der ersten Arten im Wasser und zu Lande, einer poetischen Komposition aus klassischer Musik und farbprallen Bildern.

Erzählt wird die Geschichte eines Heranwachsenden: der junge Jack wird in eine klassische Fünfziger-Jahre-Familie hineingeboren, die langen Reihen der Häuser in einer texanischen Kleinstadt, der strenge, ständig ermahnende Vater und die engelsgleiche Mutter, die kurvigen Autos auf der breiten Straße, die Schaukel im Vorgarten. Malick filmt die Kindheit konsequent aus der Perspektive des Kindes: wir erleben die Wärme und Wichtigkeit der Mutter in den ersten Lebensjahren, die Verstörung, als die neu geborenen Geschwister Ansprüche auf den Thron des Erstgeborenen erheben, schließlich die Dominanz des Vaters.

Jack will zuerst ein Abbild seines Vaters werden und probiert das repressive Verhalten des Patriarchen an seinen Brüdern aus. Als er selbst zum Mann zu werden beginnt, gerät er in Konflikte, beginnt das Vorbild zu hassen und versucht schließlich zwischen mütterlicher Weichheit und väterlicher Härte seine eigene Person finden. Immer wieder schwenkt die Kamera in die riesigen alten Bäume im Vorgarten, spürt vom massiven Stamm hinauf in die jüngsten Verästelungen, darüber zwielichtig der Himmel, wo Gott über allem wacht... Wir alle, so deutet der Film an, sind Ausläufer der uralten Geschichte der Erde, dem Walten der Naturkräfte nach dem Motto "Friss-oder-stirb". Im Gegensatz dazu steht die göttliche Gnade und Güte, verkörpert von Jacks Mutter. Es sind die großen Mysterien, die Malick uns zeigt: wie kann Gott in einer brutalen, den Naturkräften ausgelieferten Welt existieren?

Als einer von Jacks Brüdern mit 19 Jahren stirbt, springt der Film in die Gegenwart, zu einem erwachsenen Jack, der zwar etwas aus seinem Leben gemacht hat, wie es der Vater ihm eingepflanzt hat, aber dennoch den Verlust des Bruders, vielleicht auch die Härte seiner Erziehung, nie verkraftet hat. Mit einem gewagten Schritt führt Malick gegen Ende des Films alle seine Personen aus allen Zeitebenen in einer jenseitigen Landschaft wieder tröstlich zusammen. Eine Erklärung für das Geworfensein der Menschen gibt uns der Filmemacher aber nicht. Die muss jeder, der diesen wundersamen, mitreißenden und bildgewaltigen Film gesehen hat, selbst für sich finden.

"The Tree of Life"
USA 2011
Regie und Drehbuch: Terrence Malick
Kamera: Emmanuel Lubezki
Darsteller: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Tom Townsend, Fiona Shaw, Kimberly Whalen u. a.
Länge: 138 Minuten

Kinostart: 16. Juni 2011