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Filmtipp
Ein Filmwunder...

Bilder: NFP marketing & distribution

"Von Menschen und Göttern", ein Film von Xavier Beauvois

In einer März-Nacht stürmen Bewaffnete ein Kloster in Algerien - später findet man die Köpfe der entführten Mönche. Der Kinofilm dazu ist das Film-Wunder des Jahres: "Von Menschen und Göttern". Verwundert, aufgewühlt reibt man sich die Augen. Ein Film-Wunder. Erzählt wird von einem Kloster in Algerien mit neun französischen Trappisten-Mönchen - hier geht es aber nicht um Glaubensbekenntnisse, sondern um menschliche Zeugnisse. Der Regisseur Xavier Beauvois, ein bekennender Atheist, nähert sich den Mönchen mit Respekt, Zuneigung und beinahe dokumentarischer Genauigkeit.

"Von Menschen und Göttern" greift ein grausames zeitgeschichtliches Ereignis auf. In einer März-Nacht des Jahres 1996 stürmen zwanzig Bewaffnete das Trappisten-Kloster Notre Dame de l'Atlas von Tibhirine und entführen sieben Mönche. Zwei in einem Nebentrakt Schlafende werden übersehen. Zwei Monate später der grausige Fund: An einem Feldweg werden die Köpfe der Entführten entdeckt. Zur Untat bekennt sich die radikal-islamische, das algerische Militärregime bekämpfende Organisation Groupe Islamique Armé (GIA). Spätere Untersuchungen, die bis heute nicht abgeschlossen sind, lassen Zweifel an der Täterschaft der GIA aufkommen und sehen das Militärregime als möglichen Initiator der Bluttat.

Xavier Beauvois lässt alles Reißerische beiseite. Er schildert das ritualisierte Leben im Kloster: Gebete, Gesänge, das gemeinsame, schweigend eingenommene Mahl. So schwingt er sich in einen meditativen Rhythmus ein, der auch später, wenn die Spannung steigt, nicht aufgegeben wird. Nach der Morgenandacht werden die Kutten abgestreift. Die Mönche bestellen den Garten, pflegen ein gutnachbarschaftliches Verhältnis zur moslemischen Dorfbevölkerung, sind selbstverständliche Gäste bei deren Hochzeitsfeiern. Bruder Luc (Michael Lonsdale), ein Arzt, versorgt die Dorfpatienten mit bescheidenen Mitteln - und muss die Frage eines Mädchens beantworten, ob er schon einmal verliebt gewesen sei.

Die Sphäre der Frömmigkeit, aus der die Mönche ihre Kraft beziehen, zeichnet der Regisseur mit bewunderndem Staunen. Großer Augenblick, wenn die Klosterbrüder beim letzten Abendmahl zwei Weinflaschen leeren und Tschaikowskys "Schwanensee" aus einem Kassettenrecorder erklingt. Zum ersten Mal gibt es so etwas wie ekstatische Momente in ihren Gesichtern. Das Geheimnis und Wunder des Films zeigt sich darin, wie die Gesichter der Mönche in ihrem Gott-Bezug aufscheinen und dabei doch, völlig durchsichtig, im Menschlichen bleiben. "Von Menschen und Göttern" predigt nicht, sondern zieht uns in eine fortwährende Selbstbefragung. Könnte ich der Gewalt widerstehen mit Gewaltlosigkeit, das eigene Leben einsetzend, in der Gewissheit, dass der Tod nicht das letzte Wort behalten wird?


"Von Menschen und Göttern"

Frankreich 2010
Regie: Xavier Beauvois
Drehbuch: Xavier Beauvois und Etienne Comar
Kamera: Caroline Champetier
Darsteller: Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Olivier Rabourdin, Philippe Laudenbach u. a.
Länge: 120 Minuten