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Filmtipp
Älter werden ist nichts für Feiglinge…

Quelle: x-Filmverleih

"Giulias Verschwinden"

der neue Film von Christoph Schaub

Eine hübsche Frau im Wintermantel blickt in die spiegelnde Scheibe des Busses, der sie durch das abendliche Zürich fährt. Die alte Dame auf dem Nebensitz erkennt Giulia deutlich, nur sich selbst sieht sie nicht - als wäre sie an diesem Tag, ihrem 50. Geburtstag, plötzlich unsichtbar geworden. Die Blicke der Männer gleiten über sie hinweg, bleiben am Dekolleté der jungen Frau im Gang hängen, und als Giulia aus dem Bus tritt, macht ihr niemand Platz. Um das Alter geht es in "Giulias Verschwinden", um die allgegenwärtige Sehnsucht ewig jung zu bleiben in einer Gesellschaft, die das Alter nicht respektiert, sondern fürchtet.
Einer der erfolgreichsten Schweizer Schriftsteller, Martin Suter, schrieb das Drehbuch zu dem Film "Giulias Verschwinden", den eigentlich Daniel Schmid inszenieren sollte. Nach seinem Tod 2006 übernahm der Schweizer Christoph Schaub die Regie.
Suter spiegelt das an drei Generationen: Zwei stehlende Teenager wollen nicht 30 werden, eine kokette Dame verlobt sich mit ihrem Freund im Altersheim an ihrem 80. Geburtstag -zum Entsetzen ihrer griesgrämigen Tochter. Im Mittelpunkt steht die Generation zwischen 50 und 60. In einem Restaurant warten die Freunde von Giulia auf sie: ein schwules, sich ständig streitendes Paar, ein zynischer Junggeselle und ein glückliches Ehepaar. Bei Champagner reden sie über Wadenkrämpfe beim Sex, Vergesslichkeit, Schönheitsoperationen.
Warme, gedämpfte Farben, nah ist die Kamera auf den überzeugenden Schauspielern, die in den oft langen Einstellungen des an ein Kammerspiel erinnernden Films viel Freiheit haben. Corinna Harfouch als Giulia spielt eine charmante Frau, die das Alter überrascht und die an ihrem Geburtstag die Freunde warten lässt. Sie flirtet stattdessen mit einem älteren Herrn, dargestellt von Bruno Ganz,  und beide verlieben sich an diesem Abend ineinander.
Humorvoll und geistreich zeichnet der Film die unterschiedlichsten Positionen zum Älterwerden nach. Irgendwann scheinen alle Protagonisten Spiegelungen von Giulia zu sein, von der Jugend bis ins hohe Alter. Ein wenig klischeehaft sind die Nebenschauplätze: die Teenagertochter, die aus einer zerbrochenen Ehe kommt und stiehlt, um Aufmerksamkeit zu bekommen, und eine Torten werfende alte Dame im Altersheim. Am Ende versöhnen sich alle Generationen in einem kurzen magischen Augenblick. "Giulias Verschwinden" ist ein kluger und amüsanter Film um das Altern in unserer Zeit.

„Giulias Verschwinden“
Schweiz 2009
Regie: Christoph Schaub
Darsteller: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, André Jung, Sunnyi Melles, Teresa Harder, Max Herbrechter, Daniel Rohr
Länge: 88 Minuten
Verleih: x-Verleih
Kinostart: 05.02.2010