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Filmtipp
Verstörendes und beklemmendes Meisterwerk.

„Das weiße Band“ von Michael Haneke
„Das weiße Band“ von Michael Haneke
„Das weiße Band“ von Michael Haneke
„Das weiße Band“ von Michael Haneke

„Das weiße Band“ von Michael Haneke

Überall stehen in diesem Film Kinder herum, mal in kleinen, mal in großen Gruppen. Es sieht so aus, als ob die Jungen und Mädchen auf etwas warten. Zum Beispiel auf einen Befehl, endlich über die Alten herzufallen, deren wortkargem Diktat sie schon so lange unterworfen sind. Nie sieht man sie in diesem zweieinhalbstündigen protestantischen Gewaltakt von Film spielen. Nie hört man sie lachen. Wenn etwas Schreckliches passiert, sind die Kinder zur Stelle - ob der Dorfarzt durch einen heimtückisch gespannten Draht beim Reiten fast ums Leben kommt oder der geistig behinderte Sohn der Hebamme mit zerstochenen Augen an einen Baum gefesselt gefunden wird. Ob sich eine Bäuerin in einer morschen Scheune zu Tode stürzt oder der Sohn des Gutsherren zusammengeschlagen wird…

Hass und Ekel, Triebverzicht und Triebabfuhr - "Das weiße Band" ist ein Horrorfilm, der keine Horrorbilder braucht. Sondern nur das norddeutsche Dorfleben, in dem sich vor hundert Jahren Gewalt und Misstrauen zu gnadenloser Folter verbinden.

"Das weiße Band" ist ein Abgesang auf eine Gesellschaft, die auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs verschwand und eine Generation, die unter Hitler als Schergen aufstieg – ein Abgesang in grandiosen Bildern… Haneke ist ein perfektionistischer Künstler, der nichts dem Zufall überlässt und hier in ein bis ins kleinste Detail genaues Zeit- und Sittengemälde zeichnet, mit den von ihm gewohnten dunklen Untertönen zeichnet - den unvermeidlichen Weg in die Katastrophe. "Das weiße Band" ist deutscher Oscarkandidat und gewann 2009 die "Goldene Palme" in Cannes als bester Film: ein gerechtfertigter Preis für ein verstörendes und beklemmendes Meisterwerk.

„Das weiße Band“

Deutschland/Österreich 2009
Regie: Michael Haneke
Darsteller: Susanne Lothar, Ulrich Tukur, Burghart Klaußner
Länge: 144 Min.

Kinostart: 15. Oktober 2009