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Filmtipp
Oscar-ausgezeichnet…

Ein großartiger Sean Penn in „Milk“ von Gus Van Sant

Constantin-Film
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"Milk" von Gus Van Sant - es ist kein zorniger, es ist ein zärtlicher Film. Das ist überraschend, denn immerhin geht es hier um die Ermordung des ersten offen homosexuellen Politikers der USA. Da gäbe es genügend Gründe, um die Anti-Diskriminierungskämpfe des Harvey Milk anzubinden an das gegenwärtige gesellschaftspolitische Klima in den USA: 2008 ist etwa gleichgeschlechtlich liebenden Menschen in Kalifornien das Recht auf Heirat wieder aberkannt worden.

Gemeinsam mit Kameramann Harris Savides lässt Van Sant dokumentarische Aufnahmen in die fiktiven Szenen des Films münden: Oft kann der Zuschauer keinen Unterschied mehr erkennen, so penibel sind Farben, Materialen, Gesichter aufeinander abgestimmt.

Milk (Sean Penn) trifft Anfang der Siebziger in New York City auf den jungen Scott (James Franco), gibt ihm auf der Treppe zur U-Bahn-Station einen Kuss, wirft einen schnellen, ängstlichen Blick zurück. Beide ziehen nach San Francisco, eröffnen einen Fotoladen in der Castro Street: Vom Hinterzimmer aus koordinieren sie ihre ersten erfolglosen Wahlkämpfe, dann geht die Beziehung in die Brüche. Beim nächsten Anlauf, 1977, gewinnt Harvey Milk.

Milk bleibt bei all dem ruhig und sachlich, argumentiert mit Verve und Verstand: wie Van Sants Film, der auch durch die mit dem Oscar ausgezeichnete Darstellung von Sean Penn zum Ereignis wird. Wie plastisch er diese schwer zu fassende Figur in ihrer ganzen Öffentlichkeit, Privatheit und auch in den liebevollen und tragischen Beziehungen zu Scott und Jack auf die Leinwand bringt, ist große Kunst. Denn Milk soll hier kein Held, muss Alltagsmensch sein: mit Mut, Rückgrat, Menschenliebe. Wenn er trotz Morddrohung aufs Podium steigt und spricht, wenn er einen zornigen Mob von einer Straßenschlacht abbringt, läuft das ohne Pomp, ohne Fanfaren ab. Jeder hat das Zeug zum Harvey Milk.

Milk ist ein zärtlicher, ein grausamer und trauriger Film. Über das, was nach der Wut kommt. Über das, was nach der Wut bleibt…


„Milk“
USA 2008
Regie: Gus Van Sant
Drehbuch: Dustin Lance Black
Produktion: Dan Jinks + Bruce Cohen
Darsteller: Sean Penn, Emile Hirsch, Josh Brolin, Diego Luna, James Franco, Alison Pill u.v.a.
Kamera: Harris Savidis
Länge: 128 Minuten
Kinostart: 19.02.2009